(akz-o) Es klingt so schön einfach: Kein Mensch muss sich mehr Gedanken um das richtige Bett machen. Denn es gibt angeblich ja eine Matratze, die jeweils für alle Schläfer gleichermaßen geeignet ist.
Die Realität sieht aber anders aus. Täglich bedient der deutsche Bettenfachhandel Kunden, die auf ihrer online gekauften Einheitsmatratze nicht schlafen können. Nach einer aktuellen Umfrage des Verbands der Bettenfachgeschäfte (VDB) berichten über 80 Prozent der teilnehmenden Bettenhäuser, dass sie wiederholt oder sogar oftmals enttäuschte Online-Kunden in ihrem Geschäft beraten. Und das trotz hoher Dunkelziffer, da sicher nicht jeder Kunde gerne über seinen Fehlkauf redet.
Fachleute überraschen diese Berichte nicht. Denn eine junge leichte Frau braucht eine ganz andere Matratze als z. B. ein älterer schwerer Mann. Zwar können vor allem jüngere Menschen mit normalem Körperbau auf qualitativ guten Matratzen ordentlich schlafen. Aber es sind längst nicht alle und es ist auch nie die optimale Schlaflösung! Professor Dr. Bernd Kladny, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Chefarzt an der Fachklinik Herzogenaurach, bestätigt: „Die Menschen sind sehr unterschiedlich, eine Standardlösung ist daher immer problematisch“.
Problematisch sind Einheitsbetten speziell bei breiten Schultern, breitem Becken oder hohem Gewicht. Und je älter man wird, desto sensibler wird man bezüglich seines Bettes. Normale körperliche Verschleißerscheinungen, steigende Temperatur- und Druckempfindlichkeit sowie vor allem zunehmende Rückenbeschwerden führen dazu, dass sich die Ansprüche an Matratze und Unterfederung zum Teil massiv ändern. Besonders deutlich wird dies nach Bandscheiben-Operationen sowie bei Gleitwirbeln und Arthrose.
Warum bekommen manche Einheitsmatratzen dann trotzdem gute Noten bei Stiftung Warentest? Die Antwort ist recht einfach: Es liegt am fragwürdigen Testaufbau. Denn bei der Suche nach einem Produkt, das möglichst allen passt, muss die individuell optimale Lösung zwangsläufig verlieren. Würde man den universell besten Schuh für Menschen mit unterschiedlichen Fußformen suchen, hätte das Maßgefertigte Modell keine Siegchance. Nicht anders verhält es sich bei der individuellen Schlaflösung!
Die Folgen der Gleichmacherei sind daher gravierend. Experten schätzen, dass es bei den Online-Matratzen zu Rückgabequoten von bis zu 20 Prozent kommt. Hinzu kommen nicht wenige Online-Besteller, die den Aufwand des Zurückschickens scheuen und die Matratze einfach behalten.
Stichwort Rückgabe: Unter ökologischen Aspekten ist der Tausendfache Rücksende-Marathon von Matratzen quer durch Deutschland sicher mehr als bedenklich. Und offen bleibt zum Teil, was mit den zurückgeschickten – und womöglich 100 Tage genutzten – Matratzen geschieht!